Die Wirtschaftsjunioren engagieren sich in Kultur, Politik und Wirtschaft. Ein Thema, was in jedem dieser Bereiche heute auch eine wichtige Rolle spielt, ist Umweltschutz.

Und damit Abfall.  Ob es darum geht, Müll zu verursachen, zu vermeiden oder zu verwerten – das Thema betrifft uns alle. Und das dachte sich unser Arbeitskreis Unternehmertum und brachte das Thema mal auf den Tisch. Oder wenigstens an die Leinwand und gestaltete mit Paula Penckert, einer wissenschaftlichen Mitarbeiterin am Institut für Abfall- und Kreislaufwirtschaft der TU Dresden und Doktorandin im Bereich Kreislaufwirtschaft, einen Clubabend zum Thema „Wie zero ist zerowaste?“

Paula Penckert

Zum Einstieg in das Thema klärte Paula uns erst einmal auf, was es mit dem Begriff zero waste auf sich hat: Jeder von uns kennt sicher die Bilder in den sozialen Netzwerken, wo ein glücklich dreinblickender Mittdreißiger in einem Ringelpulli und einer ungebändigten Mähne ein Einweckglas in die Kamera hält. Unter dem Bild steht dann so etwas wie: „Mein gesamter Müll im Jahr 20xx“. 

Das ist oft ein bisschen übertrieben – klärt uns Paula auf. Es fällt häufig ja z.B. noch Altglas, Biomüll etc. an. Aber die Idee ist, dass Müll weitestgehend minimiert wird. Warum? Nun, wir leben auf einem Planeten, wo die Ressourcen begrenzt sind. Wir sollten sie also bewusst einsetzen und dort sparen, wo es möglich ist.

Wusstet ihr zum Beispiel

… dass das Müllaufkommen pro Kopf in Deutschland bei ca. 600 kg/Jahr liegt?

… dass 50 % des Mülls in der gelben Tonne falsch eingeworfener Müll ist, der deswegen schwer recycelt werden kann, was dazu führt, dass der Müll verbrannt wird?

… dass sog. „thermische Verwertung“ nur eine schöne Umschreibung für „Verbrennung“ ist? 

… dass der Unterschied zwischen Ein- & Mehrwegflaschen nicht nur 10 Ct Pfand, sondern auch die Häufigkeit der Verwendung ist?

… dass eine übersüße, braune Freizeitbrause eines namenhaften Herstellers eine Jahresproduktion von 88 000 000 000 Einweg-Plastik-Flaschen hat?

… dass in Deutschland pro Stunde 320.000 Coffee2Go-Becher aus der Hand des Verkäufers in die Hand des Verbrauchers und von dort, im besten Fall, in den Mülleimer wandern?

… der meiste Plastikmüll Verpackungsmüll ist, der nur einmal verwendet wird?

… dass Deutschland ungefähr 4,5-Mal in den Pacific Garbage Patch – einen riesigen  schwimmenden Müllteppich – passt?

Wir wussten das alles vorher auch nicht.

Zum Glück waren Zwischenfragen erlaubt: Was passiert mit den Einwegflaschen? Wie gut sind Bioplastiktüten? Wie können wir überflüssigen Müll vermeiden?

Paula wusste einfach auf alles eine Antwort:

Einwegflaschen werden nach der einmaligen Nutzung zu Abfall, welcher recycelt wird. Mehrwegflaschen hingegen, werden öfter (Plastik: 15-Mal, Glas sogar bis zu 50-Mal) wiederverwendet und befüllt – aus diesem Grund sehen die Flaschen häufig etwas mitgenommen und angeschrabbelt aus.

Bioplastiktüten? Die unterscheiden wir in biobasiertund bioabbaubar. Biobasiert bedeutet, dass bei der Herstellung der Tüten oft Maisstärke hinzugefügt wird. Dadurch ist das Produkt zwar nicht biologisch abbaubar, darf sich aber als biobasiert bezeichnen. Bioabbaubare Tüten kompostieren sich meistens nach ca. 8 bis 10 Wochen. Aber eigentlich kann man auch einfach eine braune Papiertüte nehmen oder noch besser: Den Biomüll in einer Schüssel sammeln und einfach täglich entsorgen.

Und wie retten wir jetzt die Welt mit unseren (begrenzten) Möglichkeiten?

„Überlegt euch, wo ihr Müll vermeiden könnt und fangt damit an“, gab uns Paula zum Gedankenanstoß für unsere Diskussionsrunde mit.

Und das sind die Ansätze, die wir anschließend zusammengetragen haben:

  • Coffee2Go weglassen oder eigenen Becher mitbringen und befüllen lassen.
  • Essen in der Kantine für Kollegen holen und dafür eigene Dosen verwenden.
  • Stoffservietten & -taschentücher benutzen.
  • Reinigungsmittel selber herstellen (spart auch Kosten!), die Anleitung dafür gibt es online.
  • Altglas für Aufbewahrungszwecke nutzen.
  • Gebraucht kaufen.
  • Darauf verzichten, eingeschweißtes Obst & Gemüse zu kaufen – je weniger das in Anspruch genommen wird, umso eher tritt bei den Anbietern ein Umdenken ein.
  • Brauche ich wirklich aller 2 Jahre ein neues Handy oder die neuste Trend-Kleidung?
  • Nur weil ich es nicht mehr möchte, hat vielleicht jemand anderes noch Spaß damit: verkaufen oder tauschen von Kleidung, Büchern & Co.
  • Produkte aus der Region beziehen – mit sog. Biokisten liefern Bauern ihre Waren in Mehrweg-Leihkisten, die man immer wieder tauscht.

Das Fazit des Abends hat Paula dann noch einmal wunderbar für uns auf den Punkt gebracht: „Es geht nicht darum, alles perfekt zu machen. Es geht darum, es etwas besser zu machen.“ 

Vielen Dank Paula, für den Einblick in dieses Thema und die spannende Diskussion zum Abschluss! Ein herzliches Dankeschön geht an unseren Arbeitskreis Unternehmertum für die Idee und die Organisation!

Bild: Paula Penckert

Text: Caroline Grafe